Unsere Kirchen und Gemeindehäuser

Unsere Kirchen

Evangelische Kirche Oberwinter

Hauptstraße 82, Oberwinter

 

Gemeindehaus Oberwinter

Am Yachthafen 12, Oberwinter
 

Friedenskirche und Gemeindehaus Remagen

Marktstraße. 25, Remagen

 

Adventskirche Sinzig

Alfred-Ott-Straße 19, Sinzig


Gemeindehaus Sinzig

Dreifaltigkeitsweg 24, Sinzig

Friedenskirche Remagen: Unsere „kleine Kathedrale”

Es ist gut, dass die Verantwortlichen in unserer Gemeinde die neue Kirche „Friedenskirche” genannt haben und nicht etwa „Siegeskirche”. Das hätte dem Zeitgeist der Jahre 1871/72 nach dem militärischen Sieg der damaligen deutschen Staaten gegen Frankreich und der soeben vollzogenen Gründung des Deutschen Reiches durchaus mehr entsprochen. Sie entschieden sich aber für den Frieden und gaben unserer Kirche damit einen Namen, an dem wir uns auch heute ungetrübt freuen können.

 

Vom Zeitgeist zeugt ohne jede Einschränkung der Baustil der Friedenskirche, die am 18. Juni 1872 geweiht wurde. Und auch daran können wir uns ungetrübt freuen. Der Architekt, Baurat Cuno, wendete den Baustil der Neugotik an. Das war aktuell, wie das berühmte Beispiel in der Nachbarschaft, die Apollinariskirche (1843), aber auch die Vollendung des Kölner Doms im Jahre 1880 (632 Jahre nach der Grundsteinlegung!) zeigt. Profanbauten der unmittelbaren Umgebung wie das Schloss Sinzig und das Schloss Marienfels bei Remagen sind ebenfalls nach dem Vorbild der ursprünglichen Gotik vom 13. Jahrhundert bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden.

 

Die Linien der Gotik streben nach oben, zum Himmel. Große, schmale Fenster, fast so hoch wie der Chor, lassen – im Vergleich zu den romanischen Kirchen der vorherigen Epoche – viel Licht in das Kirchenschiff, das gotische Maßwerk signalisiert zusätzlich Pracht und Größe. Die berühmten gotischen Kirchen faszinieren durch ihre Größe, die sich mit einem einzigen Blick erfassen lässt. Dank neuer Erkenntnisse und Bautechniken war es im 12. Jahrhundert möglich, größere Hallen zu schaffen als zuvor, die Deckengewölbe in Form des Spitzbogens ergaben eine bessere Statik als die bisherigen und machten Stützpfeiler im Innenraum überflüssig. Dafür gab es sie außen, wie es beim Typ der gotischen Basilika (eigenständige Seitenschiffe) deutlich zu sehen ist. Der andere Typ der gotischen Kirche ist die Hallenkirche (alle drei Schiffe sind gleich hoch und vom Dach umschlossen), und dem ist unsere Friedenskirche nachempfunden. In der Neugotik des 19. Jahrhunderts bewunderte man die Vergangenheit und verehrte dabei besonders den reinen, klaren Stil der Gotik. Oft folgte man dem Stil konsequenter als man ihn beim Vorbild vorfand. Und man übertrug ihn auf kleinere Kirchen wie in unserem Falle. Die Friedenskirche ist eine maßstabgetreue, fast niedliche Verkleinerung der großen gotischen Kathedrale (die nach der Definition allerdings zum Bischofssitz gehörende Kirchen waren).

 

Alle Linien zeigen zum Himmel

Architekt Baurat Cuno ist mit Gefühl zu Werke gegangen. Breiten- und Längenmaße von Turm und Kirchenschiff stehen in einem harmonischen Verhältnis zueinander. Drei Achsen in den Seitenwänden mit drei großen Fenstern und zwei angedeuteten Stützpfeilern, drei Fenster im deutlich niedrigeren und schmaleren Chor setzen diese Einteilung fort. Ein Treppengiebel und gotische Fialen (aus Stein gemeißelte, schlanke, spitz auslaufende Türmchen)betonen zusätzlich das Kirchenschiff im Verhältnis zum Chor. Vorn findet sich dieselbe Art von Treppengiebel, ist aber in seiner Wirkung durch den Turm zurückgesetzt. Denn hier geht es um mehr. Der schlanke Turm mit seinem spitzen Dach stimmt den Besucher schon vor dem Betreten der Kirche ein: alle Linien zeigen zum Himmel, unübersehbar und unwiderstehlich. Zunächst der nur leicht spitzbogige Eingang, dann die wie das Abbild einer Kirche wirkende Verzierung – hier findet sich auch nach gotischem Vorbild eine Rosette – mit dem Kreuz auf der „Dachspitze”, im Mittelstück nochmals eine Öffnung wie eine Rosette und schließlich der leicht herausspringende Abschluss mit den vier Eckpfeilern, dem gotischen Fenster und der Spitze darüber. Den effektvollen Schlusspunkt setzt das elegante Dach, gekrönt von dem goldenen Kreuz. Gelblicher Ziegelstein, abgesetzt mit dunkelrot, betonen die Linien und Formen der Kirche.

 

Nur zweimal hat die Friedenskirche erkennbare Umbauten  über sich ergehen lassen müssen. 1969 wurde im Zusammenhang mit umfangreichen Reparatur- und Renovierungsarbeiten die Toilettenanlage im Vorraum der Kirche eingerichtet. 1971, zum 100-jährigen Bestehen, erfolgte eine Innensanierung, bei der die Empore, an die sich ältere Gemeindeglieder noch gern erinnern, weggenommen wurde.

 

Kriegsschäden hatte die Friedenskirche allerdings verkraften müssen, die zahlreichen Bombenangriffe auf Remagen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ließen sie nicht unbehelligt. Am 28. Dezember 1944 wurde sie schwer beschädigt. Zunächst hatte man im Winter 1945/46 in der notdürftig hergerichteten Kirche den Gottesdienst wieder aufnehmen können, am 15. Mai 1947 stürzte aber ein Teil des Turmes auf das Dach des Schiffes, so dass erst einmal eine gründliche Restaurierung anstand. Zum Reformationsfest 1950 feierte die Gemeinde den ersten Gottesdienst in der Kirche, in der Zwischenzeit war sie in der Kapelle St. Anna zu Gast gewesen.

 

So positiv wie im äußeren Erscheinungsbild präsentiert sich unsere Kirche auch im Innenraum. Gotische Gewölbe leisteten sich die Erbauer allerdings nur im Chor, nach der jüngsten Renovierung sehr schön betont durch das Absetzen in hellblau vom weißen Grundton. Ein großer Spitzbogen stellt den Übergang zum Kirchenschiff dar. Hier ist die Decke flach eingezogen und mit Holz verkleidet. Glanzstück des Kirchenraumes aber sind die 1972 eingesetzten Fenster. Tiefes blau in den jeweils drei Fenstern des Schiffes und mit Rot betont in denen des Chores, diese feine Abstimmung gibt dem Raum seine Atmosphäre, unterstützt von passendem Wandschmuck. Kreuz, Kanzel und Altar sind schlicht gehalten und tragen so zur positiven Wirkung bei.

Inspektionen

Insgesamt drei Auflistungen über den baulichen Zustand der Kirche enthält das Archiv der Gemeinde. Im Juli 1910 untersuchte das Provinzialkirchliche Bauamt das Gebäude und stellte ihm dabei ein gutes Zeugnis aus. Allein zur Beheizung gab es ein Fragezeichen. Unter der Rubrik „Wie wird das Gebäude geheizt?” ist vermerkt: „Mit Ofen, der aber abgängig.” Vermutlich hat man schnell Ersatz beschafft. 1932 war das Provinzialkirchliche Bauamt dann wieder da. Erneut erforderte die Ofenheizung Aufmerksamkeit: „Die Orgelempore ist vor einiger Zeit weiter in den Raum hinein vergrößert worden. Das Ofenrohr des zweiten Ofens geht bedenklich nahe unter dem Holzwerk her. Ich habe Bedenken, dass hier bei einem starken Heizen des Ofens leicht ein Anbrennen der lackierten  Holzteile eintreten könnte und damit unter Umständen eine Vernichtung der ganzen Kirche”. Dazu kam es zum Glück nicht, und die Ofenheizung ist längst Vergangenheit.

Der Turm als Punkt

Der Turm unserer Friedenskirche ist nicht nur ein Blickfang für den Betrachter und Heimstatt für die Glocken, er erfüllt, ganz still und gewissermaßen nebenbei, auch noch einen anderen Zweck: Er dient dem Katasteramt Sinzig als trigonometrischer Punkt. Solche Punkte werden als Hilfsmittel  benötigt, um Gebäude und Grundstücksflächen einzumessen. Der Aufnahme in dieses Register verdanken wir heute eine interessante Karte, der sich im Archiv des Amtes gefunden hat. Die „Ergänzungskarte Nr. 195” zur „Gemarkung Remagen Nr. 151”, erstellt nach einer Messung am 29.10.1898 und fußend auf einer Einmessung durch das Amt vom 05.08.1878,  zeigt nicht nur sehr schön die Lage der Kirche, sondern auch den Verlauf der Grundstücksgrenzen und der damaligen Bebauung, die weit dünner war als heute.

Über die Glocken

Mehrfach spielten kriegerische Ereignisse eine gewichtige Rolle in der Geschichte der Glocken unserer Friedenskirche. Es begann mit der Beschaffung aller drei Glocken 1871 und dem Verlust zweier von ihnen im Jahre 1917. Die ersten Glocken wurden aus 10 Tonnen Geschützbronze gegossen, die von französischen Kanonen stammten. Wie einer im Archiv der Gemeinde enthaltene Notiz zu entnehmen ist, hatte seinerzeit  „Seine Majestät der Kaiser und König … die unentgeltliche Überlassung … Allergnädigst zu genehmigen geruht”. Gegossen wurden die Glocken bei der Firma Theodor Lehmann in Neuwied. Im Jahre 1917 gingen zwei der „Beuteglocken” den Weg zurück und wurden wieder zu Kanonen verarbeitet. In die Zeit nach 1922 – in jenem Jahr wurde in der Gemeinde für neue Glocken gesammelt – fällt die Ersatzbeschaffung nach dem schmerzlichen Verlust von 1917. Im Jahre 1942 allerdings war es wieder so weit. Im Rahmen der „Metallmobilisierung” zur „weiteren Verstärkung der Rüstungsreserve” wies der Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten Erfassung, Ausbau und Abtransport der Glocken an. Es blieb nur eine kleine, 1928 gegossene Glocke übrig (Durchmesser 58 Zentimeter, Gewicht 120 Kilogramm). Ersatz für die anderen beiden kam nach Kriegsende und zwar gleich mit zwei besonders interessanten Glocken: als zweite, mittelgroße Glocke tut seit März 1952 eine Leih- und Patenglocke aus der früheren Gemeinde Sukow/Kreis Schlawe in Pommern Dienst, eine Glocke aus dem 15. Jahrhundert (Durchmesser 71,5 Zentimeter, Gewicht 208 Kilogramm). Die größte Glocke ist ebenfalls eine Leihglocke und kam zusammen mit der mittleren. Sie stammt aus einer unbekannten Gemeinde im früheren Kreis Jauer in Schlesien und wiegt 475 Kilogramm. 1731 war sie in Hirschberg gegossen worden, eine Inschrift verrät aber eine viel längere Geschichte: „Gott zu Ehren hat mich die Gemeinde Thomasdorf als ich den 26 ME 1731 durch einen Wetterstrahl nebst der anderen kleinen Glocke in die Aschen gelegt ward aus dem übriggebliebenen Metall gießen lassen” (Angaben zu den Glocken: Deutscher Glockenatlas, ca. 1960). Auch dies war letztlich eine Kriegsfolge. So verschlungen können die Wege von Kirchenglocken sein – die einen verschwinden in Kanonen, die anderen läuten viele hundert Jahre! Die zwei alten Glocken sind eine herausragende Besonderheit unserer Friedenskirche.

 

ADVENTSKIRCHE SINZIG

Jeder Kirchenbau steht für seine Zeit -immer heraus gehoben aus der üblichen Bebauung und deshalb deutlich zeugnisgebend über das Empfinden und die Möglichkeiten der Bauherren-Generation. Was wollte die Gemeinde im Jahre 1952, was konnte sie erhoffen, was verwirklichen? Sie wollte eine eigene Kirche für Sinzig, die auch Gemeindehaus sein sollte, und die sich in Erscheinungsbild und baulichem Aufwand am Stil der Zeit orientierte. Das hieß Sachlichkeit und Bescheidenheit, denn der Wohlstand des „Wirtschaftswunders” und damit das Streben nach völlig Neuem und Modernem stand noch aus. So wurde aus der neuen Kirche ein großes Haus im Stil der Eigenheime jener Zeit, buchstäblich ein Haus Gottes. Keine prächtige, an vergangenen Epochen orientierte Hallenkirche im Kleinformat wie in den Jahrzehnten zuvor üblich, aber auch kein moderner Zentralbau aus Glas und Beton wie bei vielen Kirchenneubauten in den späten fünfziger und in den sechziger Jahren, sondern ein wohnliches Haus im aus dem alltagvertrauten Maßstab.

 

Den Bau in der Beethovenstraße dominiert eindeutig das Kirchenschiff und nicht der Turm. Dieser ist sogar ausgesprochen kurz geraten und steht nicht frei, sondern ist in der Tiefe zu etwa zwei Dritteln in die Südseite des Kirchenschiffes integriert. Die Längsseiten des Schiffes messen 17 Meter und sind aufgeteilt in fünf Achsen mit je einem spitzbogigen Doppelfenster. Sie zeigen eine Besonderheit: die Spitzbögen liegen als Füllung in viereckigen Fensteröffnungen, die Bögen sind also nicht ins Mauerwerk eingelassen – mit einer Ausnahme auf der Westseite. Drei schmale säulenartigeVorsprünge unterteilen die ersten vier Achsen. Die fünfte bildet einen effektvollen Abschluss, weil das Dach hier, wie vorn am elf Meter hohen Turm, kürzer ausgeführt ist. Die Kirche ist an der Westseite (Sakristei) schmaler und zeigt so nach außen die Position der Sakristei an, auch durch die deutlich größere Fenstereinheit. Auf der Nordseite ist das Dach an dieser Stelle weiter herunter gezogen und gibt dem Sakristeieingang Wetterschutz. Während das Schiff mit einem steilen Satteldach ausgestattet ist, hat der Turm ein nur leicht geneigtes Zeltdach. Drei Schalllöcher auf der Nord- undSüdseite und zwei auf der West- und Ostseite (9,5 Meter lang), jeweils als Spitzbogen ausgeführt, geben dem Turm, zusammen mit dem stattlichen Kreuz, sein Gesicht. Bei aller optischen Bescheidenheit erhält das Gotteshaus optischen Pfiff durch die asymmetrische Giebelform. Aufder Westseite ist sie gefühlvoll aufgelockert durch zwei Fensterreihen von kleinen Spitzbogenfenstern (oben drei, unten fünf), auf der Ostseite herrscht dagegen konsequente Schlichtheit, allein drei schmale, rechteckige Fensteröffnungen zur Nordecke hin bilden einen Akzent. Ein schmaler Streifen von dunklen Bruchsteinen bildet ein optisches Fundament rund um die Kirche, mit Ausnahme des kürzlich neu gestalteten, von einem großzügig bemessenen Spitzbogen geprägten Eingangsbereiches.

 

Innen entfaltet die Kirche wohnliche, anheimelnde Atmosphäre. Entsprechendden kleinen Vorsprüngen außen sind innen drei Bögen ausgeführt, nicht spitzbogig wie in der Neugotik, sondern in steiler Kurve vom Fenstersims bis unter die Decke. Ein vierter Bogen bildet   die Abgrenzung zum Altarraum, wie dieser ganz in Weiß gehalten. Bei der jüngsten Renovierung 2002 wurde der Kirchenraum in sanftem Terrakotta gestrichen. Je nach Lichteinfall kann der Eindruck einer verschieden stark abgetönten Farbgebung entstehen – eine optische Täuschung mit positiver Wirkung. Scheint die Sonne von Süden durch die dezent-bunten Fenster, bewirkt sie eine mehrfache Wiedergabeder schillernden Farben im Kirchenraum – ebenfalls ein schöner Effekt. Das große Holzkreuz hinter dem Holzaltar, die Kanzel aus Holz und die Bänke vervollkommnen die behagliche Harmonie, die der ganze Kirchenraum verströmt. Die Empore an der Ostseite gibt Platz für weitere Gottesdienstbesucher oder den Chor sowie die Orgel. Darunter ist der vom Kirchenraum durch eine Tür abgetrennte Eingangsbereich.

 

Unsere Adventskirche ist ein harmonischer Bau in den Menschen aus dem Alltag vertrauten Dimensionen – einfach, aber mit Charakter, sie taugt zu einer Liebe auf den zweiten Blick.

 

Geplant war die Kirche auch als Gemeindesaal. Zu einer solchen Nutzung kam es allerdings nur selten, Gemeindeglieder der ersten Stunde erinnern sich über die lange Zeit bis zum Bau des Gemeindezentrums im Dreifaltigkeitsweg 1976 allerdings nur an eine einzige große Versammlung in der Kirche. Besprechungen gab es jedoch im abgetrennten Vorraum und in der Sakristei. Wegen der geplanten Doppelnutzung war Wert auf Bestuhlung statt Bänke gelegt worden. Erst bei einer großen Umbauaktion 1979 wurde die Bestuhlung durch die heutigen Bänke ersetzt. Damals wurde auch der Altarraum verändert, zwei neue Stufen statt der bis dahin vorhandenen drei angelegt. Jüngste äußerliche Änderung ist das große Kreuz aus Solarzellen auf dem Dach nach Süden.

 

Geld war und ist immer knapp für eine Gemeinde, das war 1952 nicht anders als heute. Man kann aber davon ausgehen, dass man sieben Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Mark besonders sorgfältig umdrehen musste. Exakt 52.256 DM hat der Kirchenbau gekostet, Entwurf und Bauausführung lag bei Wilhelm Bouhs aus Niederbreisig. Zum Vergleich: eine Arbeitnehmerfamilie stand 1952 ein Durchschnittseinkommen vonrund 350 DM im Monat zur Verfügung. Es wurden eifrig Spenden gesammelt, die wichtigste war die Schenkung des Grundstücks durch die Familie Koenigs aus dem Sinziger Schloss.

 

Wirbel um die Fenster

Über Monate beschäftigte der Kirchenbau das Presbyterium, meist machte man sich Sorgen um die Finanzierung. In einem Fall aber wurde die Gestaltung zum Diskussionspunkt. Heute lässt sich nicht mehr eruieren, wie der von der Kreisverwaltung schon genehmigte Bauplan aussah. Verbrieft ist aber, dass das Presbyterium entsetzt war über die Fensterform und sich deshalb – wahrlich ein kurioser Vorgang – an den Sinziger Bürgermeister Zimmer wandte mit der Bitte um Unterstützung: „Da es auch Ihnen nicht gleichgültig sein kann, welches Gesicht dieser Bau erhält, um sich harmonisch in das Gesamtbild der Stadt einzugliedern…, halten wir uns verpflichtet, an Sie mit der Bitte heranzutreten, auch an Ihrem Teile dahin zu wirken, dass unser Kompromissvorschlag in der Fenstergestaltung gehört und berücksichtigt werden möchte …” Der Bürgermeister reagierte prompt: „Hier wird nicht eine Kirche erstellt, sondern irgendeine Kultstätte, ein Betraum, wenigstens von außen gesehen. Die äußeren Formen wurden von der Bevölkerung mit den verschiedensten Gebäuden der Umgebung verglichen, z.B. mit einer Turnhalle, mit der Rheinahr-Glasfabrik, einem Transformatorenhaus, aber niemals mit einer Kirche … Wenn ich eine Kirche bestelle, wünsche ich keinen Profanbau weder im Äußeren noch im Innern. Wenn ich mir ein Pferd kaufen will, wünsche ich nicht ein Rind …”

 

Der Plan wurde, offenbar auf Interventiondes Bürgermeisters beim Landrat,  geändert. Zu vermuten ist, dass ursprünglich – wahrscheinlich aus Kostengründen – rechteckige Fenster vorgesehen  waren (heute noch zu sehen an der Sakristei). Auffällig ist, dass die Fenster bis heute in der Maueröffnung rechteckig ausgeführt sind und die Spitzbögen wie Bausteine als Einsatz eingefügt sind, mit Ausnahme der drei (oberen) Fensteröffnungen auf der Ostseite. Auch von innen lässt sich, insbesondere auf der Empore, die alte rechteckige Fensterform ablesen. Also eine nachträgliche Änderung? Auf einemPlan, der sich im Gemeindearchiv befindet, sind einfache statt doppelter Spitzbogen im Mauerwerk gezeichnet. Ob es sich dabei um einen frühen Entwurf handelt, ist nicht angegeben.

Die Vorgeschichte zum Kirchenbau

Die evangelische Gemeinde Sinzig, Filialort der evangelischen Pfarrei Remagen, hat ihren Sitz auf geschichtlich bedeutsamem Boden. Der Ursprung der Stadt Sinzig geht auf die Römerzeit zurück, in der wohl ein römisches Kastell, Sentiacum genannt, lag. Im Mittelalter war hier eine Pfalz fränkischer Könige, später eine kaiserliche Pfalz, in der Friedrich Barbarossa mehrere Male geweilt hat. Mächtig überragt wird die schöne an der Ausmündung des Ahrtals in das Rheintal gelegene Stadt von der auf einem Bergvorsprung erbauten, 1220 vollendeten Peterskirche. Diese auch im Innern prächtige Basilika ist ein Symbol dafür, dass Sinzig stets eine überwiegend katholische Stadt war, in der die Evangelischen bis auf den heutigen Tag in der Diaspora leben und auch jetzt noch die katholische Bevölkerung sie an Zahl um mehr als das Zehnfache übertrifft.

 

Doch hatte sich schon in der Reformationszeit in Sinzig eine kleine protestantische Gemeinde gebildet. Als 1620 die Spanier unter Spinola die Stadt besetzten, verfiel diese Gemeinde der Auflösung. Die Evangelischen in Sinzig mussten sich seitdem mit der Teilnahme an den Gottesdiensten in Remagen begnügen. Dies war nicht immer leicht, da Sinzig 4 km von Remagen entfernt liegt. – Erst im 19. Jahrhundert vermehrte sich die Seelenzahl der Evangelischen in Sinzig dadurch, dass ein Amtsgericht, Eisenbahn und etwas Industrie nach Sinzig kamen. Unter diesen Evangelischen war der Durst nach dem lebendigem Wasser des Wortes Gottes so stark, dass trotz aller Umstände und Schwierigkeiten stets eine ganze Reihe Sinziger den Gottesdienst in Remagen sonntäglich besuchten.

 

Im Jahre 1906 aber traten die Sinziger Evangelischen an den damaligen Pfarrer Andreä mit der Bitte um Einrichtung eines eigenen Gottesdienstes in Sinzig heran. Im November dieses Jahres beschloss die Kirchenvertretung, alle 14 Tage in der dazu zur Verfügung gestellten Aula der Präparandenanstalt Gottesdienst zu halten. Unter Vorsitz des damaligen Amtsgerichtsrates van Eldik bildete sich ein Komitee, das eine Kollekte bei den Evangelischen Sinzigs zur Beschaffung der nötigen Ausrüstungsgegenstände (Altar aus Eichenholz, Altardecke, Teppich, Gesangbücher usw.) abhielt. Diese Sammlung ergab den Betrag von 263 Mark, wobei zu bedenken ist, dass es sich um Beiträge von etwas 28 Familien handelte, unter denen nur ganz wenige Begüterte waren. Der Großteil der kleinen Gemeinde bestand aus Beamten, Angestellten und Arbeitern. Endlich konnte zur Freude der Gemeinde in Sinzig der erste Gottesdienst am 28.Januar 1907gehalten werden.

 

15 Jahre lang – von 1907-1922 – konnte sich die Gemeinde ihres Saales erfreuen. Da wurde die Präparandenanstalt aufgelöst und musste geräumt werden. Nun erbarmte sich die edle Frau Ernst Koenigs Johanna geb. Bunge der obdachlos gewordenen Gemeindeglieder. Sie besaß in Sinzig ein auf den Grundmauern der alten Kaiserpfalz errichtetes Schloss, das sie in jedem Jahr vom Frühjahr bis zum Herbst bewohnte, um sich während dieser Zeit treu zur Gemeinde zu halten. Sie räumte der Gemeinde in einem ihr gehörenden Hause auf der Barbarossastraße – dem sog. Winzerverein – einen Saal ein, der am 5. Nov. 1922 seiner Bestimmung übergeben wurde. Es war ein würdig ausgestatteter Raum, den die Gemeinde lange Jahre, nämlich bis 1948, benutzen durfte. Später stellte Frau Königs in demselben Haus der Gemeinde ebenfalls unentgeldlich noch zwei bisher von ihr vermietete Räume als Vereinszimmer zur Verfügung. Sie nahm innigen Anteil, als in diesem Raum Anfang 1932 die Sinziger Frauenhilfe durch Pfarrer v. Nasse gegründet wurde und bald darauf ein Sinziger Kirchenchor unter Leitung des Zahnarztes Dr. Wallnau. Wie sich das Leben in der evgl. Gemeinde Sinzig regte, zeigte sich auch bei der Feier des 25 jährigen Bestehens des evgl. Gottesdienstes in Sinzig am 28. Februar 1932, an der auch viele auswärtige Gäste teilnahmen, so dass bei der Nachversammlung 235 Personen mit Kaffee bewirtet wurden.

 

Ein schwerer Verlust traf die Gemeinde, als am 13.Januar 1934 die Wwe. Ernst Königs starb. Auf dem Friedhof Melaten in Köln, ihrem Hauptwohnort, widmete ihr Pfarrer v. Nasse einen warmen Nachruf, indem er das Wort auf sie anwandte, das einst von dem Hauptmann von Kapernaum gerühmt wurde: “Er hat unser Volk lieb und die Schule hat er uns erbaut“ ( Luk.7,5). Auch nach ihrem Tod durfte die kleine Gemeinde weiter den Segen von dem Wirken jener seltenen Frau erfahren. Die Kinder der Frau Königs, 6 Geschwister, überließen der evgl. Gemeinde weiter das Heim in dem ihnen gehörenden Haus. Auch erfüllten sie den Wunsch ihrer Mutter und stellten der Gemeinde ein hinter dem Amtsgericht gelegenes 25 m breites und etwa 40 m tiefes Grundstück zum Bau einer Kapelle in Aussicht. Auf Veranlassung des Presbyteriums besichtigte der Leiter des Provinzialkirchl. Bauamtes, Herr Architekt Schönhagen aus Koblenz, die Sinziger Örtlichkeiten und entwarf einen ansprechenden Plan zu einer schlichten Kapelle. Es bestand von vornherein Klarheit darüber, dass bei weiterer Entwicklung der Gemeinde – damals 270 Seelen zählend – dieser Bauplan durch einen anderen zu ersetzen sei und die Erben Königs um einen freier und günstiger gelegenen Bauplatz zu bitten seien. 1938 bewilligte die Hauptversammlung des Rhein. Vereins der Gustav Adolfstiftung auf Antrag des Pfarrers v. Nasse zur allgemeinen Freude und Überraschung aus dem großen Liebeswerk die 1. Gabe von 3000 Mark zur Errichtung dieser Kapelle. Auch an die Zweigvereine der Gustav-Adolfstiftung trat man nicht ohne Erfolg heran. In den Gottesdiensten wurde gesammelt und von einer Familie kam eine besondere Spende.  Bis zur Währungsreform sammelte sich so der von Herrn Presbyter Meurer verwaltete Baufonds auf etwa RM 10.000 an. Verhandlungen mit der Finanzabteilung beim evgl. Konsistorium der Rheinprovinz wegen der Beihilfe in den Jahren 1938/39 führten zu keinem greifbaren Ergebnis. Dennoch durften wir hoffen, im Jahre 1940 den Kapellenbau, den Herr Schönhagen auf etwas 15.000 Mark veranschlagt hatte, durchführen zu können.

 

Da kam die große Enttäuschung. Der Ausbruch des Krieges machte vorläufig alles Bauen unmöglich. Als Trost blieb, dass uns ein kostenloser Bauplatz zugesichert war und ein Rest des Baufonds über die Währungsreform hinwegzuretten sein werde.

 

Im Kriege wurde auch der evgl. Kirchsaal leicht beschädigt. Bis zu seiner Wiederherstellung gewährte die Kath. Gemeinde Sinzig in edler Toleranz der evgl. Gemeinde von Karfreitag bis Pfingsten 1945 in ihrer herrlichen Peterskirche Gastrecht.

 

1948 mussten die Evangelischen Sinzigs ihren Kirchensaal, den sie 26 Jahre benutzt hatten, räumen, da die Familie Königs ihn anderweitig nutzen wollte. Doch vermietete Frau Wwe. Karl Königs der Gemeinde einen Saal in ihrem Schlösschen. Doch auch hier war unseres Bleibens nicht lange. Im Frühjahr 1952 wurde das Schloss verkauft, um für ein Kurhaus hergerichtet zu werden. Wieder war die durch Flüchtlinge und andere Evangelische angewachsene Gemeinde ohne Raum, was umso schwerer wog, als inzwischen mit dem Amtsantritt von Pfarrer Hentze im November 1950 die Gottesdienst zunächst auf 3 Sonntage im Monat, und bald darauf auf jeden Sonntag ausgedehnt worden waren. In dankenswerter Weise stellte uns die kath. Gemeinde ihr Pfarrheim vorübergehend zur Abhaltung unserer sonntäglichen Gottesdienste zur Verfügung. Nunmehr wurde der Bau einer eigenen würdigen evgl. Kirche in Sinzig zu einer zwingenden Notwendigkeit.

 

Pfarrer i.R. lic. von Nasse, zur Einweihung der Adventskirche 1952, in: Festschrift zur Einweihung der Adventskirche 1952

Die Ausführung des lang ersehnten Planes

Am 18. Juli 1951 beschloss das Presbyterium, dem Wunsch der Sinziger evgl. Gemeindeglieder zu entsprechen und ihnen ein eigenes Gotteshaus zu erstellen. Die 1. greifbare Möglichkeit dazu bot eine hochherzige Stiftung der Frau Else von Wedderkop, der ältesten Tochter der schon erwähnten Johanna Königs. Sie schenkte der Gemeinde als Vollstreckerin des Willens ihrer verewigten Mutter ein Grundstück an der Beethovenstr., Ecke Alfed-Ottstr. von 8,68 ar, das im August 1951 in den Besitz der Gemeinde überging. Nachdem sich zu unserer großen Freude herausstellte, dass das vor und während des Krieges gesammelte Geld dank der guten Anlage in Wertpapieren durch unseren Presbyter Herrn Meurer nicht restlos verfallen war, erhielt Herr Architekt Bouß aus Oberbreisig den Auftrag zur Planung eines Gotteshauses, welches nicht im Kapellenstil, sondern als Kirche mit etwa 200 Plätzen Sitzvermögen zu gestalten war. Ein Bauausschuss wurde gebildet aus Sinziger Bürgern, der in zahlreichen Sitzungen wertvolle Arbeit leistete und so das Presbyterium entlastete.

 

Der im September 1951 der Kirchenleitung eingereichte Plan wurde verworfen. Erst ein im Januar abgeänderter neuer Plan fand schließlich die kirchen- und staatsaufsichtliche Zustimmung. Nun konnte am 9. März 1952 in Gegenwart unseres Superintendenten, Herrn Kirchenrat lic. Sachsse und unter zahlreicher Beteiligung unserer Gemeinde der Grundsteinzu einer eigenen Kirche gelegt werden. Für alle Sinziger ein unvergesslicher Tag! Die in eine gestiftete Messinghülse verschlossene und in dem Chorraum eingelassene Urkunde trägt folgenden Wortlaut:

 

„Heute, am 9. März (Reminiscere) des Jahres 1952, legt die Evgl. Kirchengemeinde Remagen den Grundstein zu dieser Kirche im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Möchten nicht allein die Mauern äußerlich erstehen, sondern auch die Gemeinde mit erbaut werden zu einer Behausung Gottes im Geist. Er gebe zum Wollen das Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen.“

 

Superintendent der Synode Koblenz: Kirchenrat lic. Sachsse, Amtsbürgermeister der Stadt Sinzig: Zimmer, Amtierender Pfarrer von Remagen: Hentze, Pfarrer, Leitender Architekt des Kirchenbaues: Bouß, für das Presbyterium: Barthel, Baum, Genkinger, Heukelbach, Meurer, Meyer

 

Am 16. September 1952 war der Bau soweit fortgeschritten, dass wir mit den Arbeitern Richtfest begehen konnten. Nun die Kirche „unter Dach“ war, konnten wir an die innere Ausgestaltung denken. Viel Mühe hat es uns bereitet, die Fenster in ihrer jetzigen schönen und ansprechenden Form zu erhalten. 170 neue Stühle wurden angeschafft. Die vorhandene kl. Übungsorgel konnte in dieser Form ihrer Aufgabe im neuen Kirchenraum nicht genügen. Sie wurde durch 2 weitere Register, eine Transmission und ein elektrisches Gebläse ergänzt. Kanzel und Altar, Turm und Holzkreuz, Öfen, Liedertafeln usw. waren vonnöten.

 

Wenn wir heute das schmucke Kirchlein vor uns sehen, dann ist wohl die Frage berechtigt, wie es möglich war, dass eine so kleine Diasporagemeinde einen solchen Bau finanzieren konnte.

 

Hier müssen wir zunächst unserem Vater im Himmel und dem Geber aller guten und vollkommenen Gaben danken, der unseren anfänglichen Kleinmut beschämt und uns gegeben hat über all unser Bitten und Verstehen.

 

Es ist immer so gewesen, dass im rechten Augenblick das Geld vorhanden war. Unsere rührige Frauenhilfe in Sinzig hat dort in einem Jahr über DM 4.000 sammeln können. Die Sinziger Sonntagskollekte erbrachte über DM 2.500. Konzerte und musikalische Veranstaltungen sowie die Frauenhilfe Remagen brachten weitere Gelder ein. Ein Darlehen wurde aufgenommen, wovon die Kirchenleitung den Großteil der Zinsen übernahm. Der Erlös aus dem Verkauf eines Grundstückes wurde teilweise mitverwandt. Wenn wir allen Spendern für ihre Opferfreudigkeit herzlich Dank sagen, so müssen wir doch namentlich den Geschwistern Baum danken, die durch Stiftungen und finanzielle Hilfen uns recht spürbar aus mancher Verlegenheit geholfen haben.

 

Auch die Hilfe von außen blieb nicht aus. Wenn auch der Staat keinen Pfennig Zuschuss geben konnte, so hat doch die Stadt Sinzig nach Kräften zur Verwirklichung unseres Planes beigetragen. Selbst aus dem Ausland – aus Schweden– durften wir Hilfe erfahren.

 

Nicht zuletzt hat unsere Kirchenleitung das Gelingen möglich gemacht. So haben mancherlei Kräfte mitgewirkt, um das jetzige Kirchlein erstehen zu lassen. Wir aber wollen nun erst recht unsern Herrn bitten, dass die Gemeinde dies ihr Gotteshaus nun auch in großer Zahl besucht und das wahr wird, was in der Urkunde geschrieben steht: dass die Gemeinde erbaut werde zu einer Behausung Gottes im Geist.

 

Pfarrer Hentze, in: Festschrift zur Einweihung der Adventskirche 1952

Die Glocken

Erst zwei Jahre später konnten die drei Glocken der Adventskirche eingeweiht werden. Bis sie aufgehängt werden konnten, mussten jedoch erst die Schalllöcher im Turm vergrößert und das Turmgestühl umgebaut werden.

 

Die drei Glocken sind auf „E“ gestimmt. Die größte Glocke wiegt 280 Kilogramm, hat einen Durchmesser von 79 cm und ist mit der Inschrift versehen: „Oh Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ Die zweite, 200 kg schwere Glocke, trägt die Inschrift „Ich will den Namen Gottes preisen“ und die dritte die erste Liedzeile des berühmten Liedes von Martin Luther „Ein feste Burg ist unser Gott“.

 

 

Matthias Röcke

Die Evangelische Kirche zu Oberwinter

Geschichte und Aktualität evangelischen Kirchenbaus von Pfarrer Michael Schankweiler

„Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses ewiglich“,

Ps. 93,5

Vorgeschichte des Kirchenbaus

Etwa von 1624 an plus einige Jahre vorher, hundert Jahre vor dem Kirchenbau feierte die ev. Gemeinde ihre Gottesdienste im Rathaus, da ihnen die Mitbenutzung der Oberwinterer Kirche verwehrt wurde. Wir wissen dieses Datum deswegen, weil 1665 alle ev. Gemeinden gemäß dem westfälischen Frieden nachweisen mussten, dass sie zu diesem Datum (1624) schon existierten. Ansonsten wäre ihnen ein Fortbestand unter katholischer Oberherrschaft (Oberwinter gehörte zum kath. Herzogtum Jülich) untersagt worden. Diesen Nachweis zu führen fiel den Oberwinterer Evangelischen leicht. Ist das Gründungsdatum doch das Jahr 1549. Im Protokollbuch heißt es im Hinblick auf die Jahreszahl 1624: „Dass die Reformierte Gemeinde im Jahre 1624 in gleich ruhigem Zustand gewesen sei wie heutzutage, nämlich, dass wir unser öffentliches Exercitium (Gottesdienst) mit Glockengeläut auf dem Bürgerhaus gehabt haben.“

 

100 Jahre feierte man also den Gottesdienst im Rathaus auf neutralen Boden, dennoch war der Wunsch wach nach einer eigenen Kirche in eigenem Besitz auf eigenem Grund und Boden. Allerdings: Die 60 kinderreichen Familien, die zur Gemeinde gehörten waren arm und konnten aus eigenen Mitteln kein Grundbesitz und größeren Kirchenbau bewerkstelligen. Verschiedene Faktoren aber begünstigten dann ab Anfang des 18. Jhd. einen Kirchenbau oder ließen einen Bau ratsam erscheinen.

  1. Schenkung eines Grundstückes einer Jungfrau Pollandt

  2. Kollektenspenden der reformierten Geschwister in den Generalstaaten (Niederlande)

  3. Konfessionelle Streitigkeiten

Konfessionellen Streitigkeiten wollte man am liebsten aus dem Weg gehen. Das gelang, wie folgendes Beispiel zeigt allerdings nicht immer, da man im Ort viele Berührungspunkte hatte. Folgendes wird von einer Fronleichnamsprozession berichtet: Die Evangelischen hatten ihren Gottesdienst im Rathaus schnell beendet und waren nach Hause geeilt, um möglichst nicht in die Prozession zu geraten. Dennoch geriet ein Nachzügler an den Rand der Menschenmenge, und als er seinen Hut nicht abnahm, was als mangelnde Erehrbietung ausgelegt wurde, wurde er mehrfach mit einem Stock geschlagen; so rau waren die Sitten damals. Er wurde so geschlagen, dass er stark blutete. Eine evangelische Frau, die am ersten Stock ihres Hauses dies sah, schrie nach ihrer Angabe: „Hilfe! Sie schlagen ihn tot wie einen Hund!“ Die Katholiken bezogen das Wort „Hund“ aber auf sich selber und erhoben ihrerseits ein lautes Schimpfen: „Selbst Hund! Calvinischer Hund! Ketzer! Usw.“ Vergeblich suchte der alte kath. Pfarrer von Unkelbach, wie alle Parteien rühmend betonen, den Streit zu schlichten. Aber die Schlägerei wurde nur immer schlimmer. Ob der Geschlagene flüchtete oder verfolgt wurde ist nicht ganz klar, jedenfalls kommt es auch noch auf der Bleichwiese außerhalb des Ortes in der Richtung auf den Düsteren Baum (ein altes Wahrzeichen der Schiffer) zu weiterem Streit mit einer ganzen Anzahl von Männern und Frauen.

 

Wir sehen: Der Standort Rathaus war nicht günstig. Größere Distanz war erforderlich. Der Konflikt verschärfte sich noch, als die Katholischen im Rathaus die katholische Schule unterbringen wollten und am Rathaus selber ein Kreuz aufstellen wollten. Das empfanden die Evangelischen als Herausforderung und so urteilt der Chronist von damals: „Verwirf doch die Kirche Calvins, jede Abbildung eines Kreuzes!“

 

Verschiedene Faktoren erforderten also den Kirchenbau und als man durch Kollektenreisen ins hessische und westfälische finanzielle Mittel bereit hatte und auch die teuer erkauften Genehmigungen der Jülicher Regierung eingeholt waren (vier kurfürstliche Erlasse waren nötig, die man teuer bezahlen musste), konnte der Bau beginnen. Allerdings gab es in den behördlichen Genehmigungen eine Klausel, die trotz inständiger Bitten der Oberwinterer nicht aufgehoben wurden: man durfte nicht an der Hauptstraße bauen, sie musste im Hinterhof gebaut werden, darum die Bezeichnung „Hofkirche“ und sie durfte keinen Glockenturm besitzen, denn das Läuten eigener Glocken war den Evangelischen verwehrt.

 

Freundlicherweise gab es dann später eine Abmachung mit den Katholischen, deren Glocken mitzubenutzen. Allerdings gegen Entgelt. Man sieht, wie wir es auch bei einer Exkursion in Köln in Erfahrung brachten, „Auf den Spuren von Jüdinnen und Juden in Köln“, dass religiöse Minderheiten für Rechte schwer zur Kasse gebeten wurden.

 

Doch endlich war es soweit: Am 7. April 1721 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Mit den beiden Maurermeistern Rams und Cassalter aus Linz am Rhein war ein Vertrag auf Errichtung des Gebäudes abgeschlossen, während man die Oberleitung über den ganzen Bau einem Baumeister Adam übertrug. Der Prediger Wurm (Prediger war die damalige Bezeichnung für den Pfarrer) hielt dabei zunächst eine Predigt von Grundlegung der Welt und des in die Kirche Gottes gelegten Eck- und bewährten Grundsteins Christo Jesu. Daraufhin legte der Bürgermeister Wurm (wir sehen, es gab hier einige verwandtschaftliche Beziehungen) den ersten Stein und tat den dreimaligen Hammerschlag, während einige Böllerschüsse das Ereignis feierten. Auch trug der Prediger Sorge, dass der Leib nicht zu kurz kam: Für die fünf Maurer ließ er ein Essen auf dem Fundament auftischen und spendete außerdem einen Ohm Wein (140 Liter). Allerdings scheint er sich dabei der Trinkfestigkeit seiner Schäfchen verrechnet zu haben. Der ganze Wein war im Nu von den Gemeindegliedern ausgetrunken und die Maurer, die der Ansicht waren, dass der Wein nur für sie bestimmt gewesen sei, beklagten sich bitter beim Konsistorium (die damalige Bezeichnung des Presbyteriums), dass sie nichts davon mitbekommen hätten. Das Presbyterium zeigte Verständnis für diese Klage und bewilligte ihnen ein neues Fässchen. Erwähnenswert bleibt noch, dass sich die jungen Männer und jungen Frauen der Gemeinde verpflichteten, alle Quadersteine, welche die Kirchenmauern an den vier Ecken begrenzen, zu schenken. Heute noch sieht man sie grau gegenüber dem weißen Außenanstrich farblich abgesetzt. Eine Verzögerung des Baus trat allerdings dadurch ein, dass der Prediger der Gemeinde Wurm plötzlich verstarb und es längere Zeit dauerte, bis ein neuer gefunden und gewählt wurde. Dieser aber mit Namen Jansen konnte endlich am 14. Oktober 1723 die feierliche Einweihung der Kirche vornehmen, wobei er seine Festpredigt über die im Sandsteinportal eingemeißelte Psalmstelle hielt: „Heiligkeit, Herr, ist die Zierde deines Hauses ewiglich.“ Ps. 93,5

Sinn evangelischen Kirchenbaus

„Heiligkeit, Herr, ist die Zierde deines Hauses ewiglich“. Ein Wort des 93. Psalms kann man als Thema evangelischen Kirchenbaus betrachten, geht es doch nicht sosehr um Schönheit oder Großartigkeit von Architektur und Kunst, um dem religiösen Empfinden Ausdruck zu geben. Heiligkeit zielt vielmehr auf die hier versammelten Menschen, auf die hier versammelte Gemeinde, heißt es doch in der hebräischen Bibel (das Alte Testament erfährt in der reformierten Kirche ja eine besondere Wertschätzung) von dem hier angebeteten Gott als Anrede an sein Volk: „Ich bin heilig und ihr sollt auch heilig sein!“

 

Das Haus als Gotteshaus dient nach evangelischem Verständnis allein dazu, Gottes Wort zu hören, die Sakramente zu feiern und die Menschen dazu zu führen, ihren Alltag nach Gottes Geboten zu leben. Je mehr Menschen in Andacht hier versammelt sind, umso größer die Zier des Gebäudes. Heiligkeit zielt also auf die Menschen, nicht auf die Mauern. Dass das Gebäude selbst eine heilige Atmosphäre vermittelt, wollte man bewusst verhindern.

Doch nun zum Bau selbst:

Wir haben es hier mit einem viereckigen Saalbau zu tun.(Ein fast 1:1 Bau stand in Neuwied an der Stelle der heutigen Marktkirche, wegen Baufälligkeit abgerissen.) Während in der Reformationszeit, die Evangelischen in Gegenden, die sich der Reformation anschlossen, die ehemals katholischen Kirchen nach ihren Bedürfnissen umgestalteten, entstand nun hier ein Gebäude, welches das baulich umsetzen wollte, was den Gottesdienst reformatorischer Prägung auszeichnete: die Konzentration auf das Hören von Gottes Wort in der Predigt. Ein wichtiges Moment für Oberwinter ist dabei, dass die Gemeinde reformiert war, sich also dem Zweig der Reformation anschloss, der in der Schweiz, am Niederrhein, in Frankreich und den Niederlanden sich durchsetzte, sich in den Vereinigten Staaten von Amerika fortsetzte und stärker den Reformatoren Huldrich Zwingli und Johannes Calvin folgte.


Reformiert bedeutete was die Ausgestaltung des Gottesdienstraumes anging eine strenge Form. Während im Luthertum dem Zweig der Reformation, die den Lehren Martin Luthers folgte, Bilder, die Messform des Gottesdienstes, und auch die Gewänder, zum Teil behielt (Skandinavien), gestalteten die Reformierten ihre Kirchen nach streng biblischen Maßstäben: Gottes Wort als Mittelpunkt. Eine Kanzel anstelle eines Altarbildes. Nicht schauen, sondern hören. Sagte doch der Apostel Paulus, dass der Glaube aus dem Hören käme. Strenge Einhaltung des Bildergebots bzw. Verbots. Das Aufmalen von Bibelversen war erlaubt, jedenfalls in späteren Jahren, über dem Eingang und am Portal auch später an den Wänden oder in den Glasfenstern. (Glasfenster: „Heilig, heilig ist der Herr Zebaoth“. Seitenwand: „Gott ist Geist und wer Gott anbeten will, soll ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“) Auch gab es ursprünglich keine Kerzen, außer als Beleuchtungshilfe und auch keine Orgel. Der Reformator Huldrich Zwingli hatte auch die Orgel abgeschafft, aus Angst, die Gemeinde könne zu sehr abgelenkt sein. Vieles kam allerdings später zurück, wie wir noch sehen werden. Bestimmend blieb für die damalige Gemeinde das Hören einer langen, mindestens einstündigen Predigt und der Gemeindegesang, der vom Schulmeister angestimmt wurde. Das Singen von Psalmen und Chorälen, auch das Beten der Psalmen und das Erlernen des Heidelberger Katechismus am Nachmittag des Sonntags.

 

Prunkstück im Bau ist die Kanzel, eine Schenkung eines Jahkob Meinerzhagen. Im Schalldeckel der Kanzel sind Sonne, ein Dreieck und ein Auge gemalt. Die Sonne versinnbildlicht Gott, das Dreieck die Trinität. Gott ist einer, geoffenbart in drei Seinsweisen, bzw. Personen. Gottes Auge wacht über seine Gemeinde. Man beachte auch die goldene Weintraube als prunkvoller Abschluss der Kanzel, als sei es Aufgabe der Predigt, Frucht zu bringen und wohlmöglich genießbar zu sein, genussvoll zu sein.


Von innen vermittelt der Kirchenbau den Eindruck einer Burg. „Ein feste Burg ist unser Gott“ Kirche als Zufluchtsort. Die Gemeinde hatte wohl ein großes Sicherheitsbedürfnis. Das ist auch verständlich, denn mit dem 30-jährigen Krieg, den französischen Erbfolgekriegen waren die Rheinlande hundert Jahre lang Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen, bedroht durch marodierende französische, schwedische und spanische Soldaten. 1685 war die Aufhebung des Edikts von Nantes. 1572 die blutige Bartholomäusnacht von Paris, wo Tausende Protestanten ums Leben kamen. Im kollektiven Gedächtnis war auch den Oberwinterern noch das Elend der flüchtenden hugenottischen Glaubensgeschwister.


Die Fenster sind hoch angeordnet, um ein Eindringen zu verhindern. In selber Absicht hat man die Mauern unterhalb der Fenster enorm abgeflacht. Bemerkenswert ist auch die Fluchttür unter der Kanzel auf der Ostseite des Gebäudes, um bei Gefahr den Rhein und rettenden Leinpfad zu erreichen. Bis Angreifer die schwere Eichentür im Eingang aufgebrochen hätten, wäre man längst über alle Berge. Gott sei Dank ist diese Fluchttür wohl nie zu solchem Zwecke gebraucht worden.

 

Evangelischer Kirchenbau bedeutet auch die Aufhebung einer räumlichen Trennung von Clerus und Volk, von sakral und profan. Es gibt keinen abgegrenzten heiligen Bezirk. Es gibt keine Abgrenzung zum Altarraum, und ein Chorraum ist erst gar nicht vorgesehen. Es gibt keinen Priester, der, vom Volk geschieden, das Opfer darbringt. Die reformierten Prediger trugen ihren schwarzen Ausgehmantel, keine besondere liturgische Kleidung. Da also kein Opfer dargebracht wird in der reformierten Kirche, sollte man strenggenommen den Tisch unterhalb der Kanzel auch nicht Altar nennen, denn ein Altar ist ja ein Opferstein, sondern ihn „Abendmahlstisch“ nennen, da um ihn herum die Gemeinde das Abendmahl feiert, nach reformierten Verständnis ein Gemeinschafts- und Gedächtnismahl. Allerdings hat sich der Begriff „Altar“ so eingebürgert, dass er nur schwer oder gar nicht aus den Köpfen herausgeht. Ursprünglich ist also der reformierte Kirchenbau und auch der Gottesdienst in seiner Zentriertheit auf die biblischen Schriften näher an der Synagoge als an der orthodoxen oder katholischen Kirche. Die Lutheraner befinden sich etwa in der Mitte von beiden. Noch ein Wort zu den Lichtverhältnissen dieser Kirche. Bei Trauungen z. B. rühmen die Profi-Fotografen die Lichtverhältnisse. Durch die großen, hohen Fenster ist sie eine helle Kirche. Wenn wir daran denken, dass in früheren Jahrhunderten die Menschen viel dunkler gekleidet waren als heute, dann ist die Helligkeit allein aus praktischen Gründen auch notwendig gewesen. Wesentlicher aber ist, dass die Reformation aufklärerische Elemente in sich trägt. Bewusst wollte man das finstere, abergläubige Mittelalter hinter sich lassen und Licht in die Verhältnisse und den Glauben bringen. Im Choral heißt es: „Oh Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht.

 

Für das Jahr 1723 müssen wir uns einen weiß getünchten viereckigen Saal vorstellen, dick gemauert mit Kanzel, festem Lehm- oder Holzboden ohne Bänke, mit Stühlen vielleicht. Unter der Kanzel stand ein schwarz verhangener Abendmahlstisch, ohne jeden Schmuck, Kreuzen und Leuchtern. Und wir müssen uns vorstellen, eine glückliche Gemeinde mit einem glücklichen Prediger endlich ein eigenes Kirchlein zu besitzen. Im äußeren Stil den kurfürstlichen Barockbauten in Bonn, vor allem dem Poppelsdorfer Schloss ähnelnd. Schmerzlich war, wie wir gehört haben, dass sie keine Glocken haben durften und dass die Kirche so hatte erbaut werden müssen, dass man sie von der Straße aus nicht sah. Vergleicht man die Kirche wie sie wohl einmal war mit heute, merkt man, dass die konsequente reformierte Linie sich nicht durchhalten konnte. 1808 bekam man eine Orgel, Leuchter wurden angeschafft, wertvolle Zinnleuchter, die leider gestohlen wurden. Sinnigerweise stehen heute Leuchter (es wurden neue nachgekauft) nicht am Abendmahlstisch, um den Pfarrer zu erleuchten, obwohl es der sicher nötig hat, sondern an der Bibel, um das Psalmwort zu verbildlichen: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“. Schließlich hat man auch in jüngster Vergangenheit dem Wunsch nachgegeben, dass ein Kreuz in der Kirche sei. Auf dem Behang des Abendmahltisches (Antependium) ist ein Schattenkreuz zu sehen.

 

Nun sind die Gemeindeglieder ja heute nicht mehr streng reformiert. Kriege, Flüchtlingsströme aus dem Osten, Bonn als Regierungssitz sorgten für den Zuzug Evangelischer lutherischer Prägung. Dem galt es Rechnung zu tragen und die Fremdheit der neuen Umgebung und Heimat nicht noch durch die Fremdheit des schlichten reformierten Gotteshauses und Gottesdienstes zu verstärken. Dennoch meine ich, gilt es, den reformierten Charakter der Kirche ein Stück zu bewahren und den Baustil durchzuhalten, weil er ja tatsächlich ein alternatives Gottesdienst- und Gemeindemodell darstellt. Verschiedenheit ist Reichtum und nicht Armut! Auch halte ich in der heutigen Zeit das biblische Bilderverbot für zukunftsweisend. Wie meine ich das? Gerade heute in dieser Medienzeit werden wir täglich mit massenhaft Bildern überschwemmt, und die Frage ist, wer das alles verarbeiten will bzw. kann? Dazu kommt, dass die von außen angebotenen Bilder die Fähigkeit des Menschen, innere Bilder zu produzieren, verkümmern lassen. Niemand wird bezweifeln können, dass der gute Hirte, dass Gott als Quelle, dass die Vögel im Himmel oder die Lilien auf dem Felde, dass Gott, der wie eine Mutter tröstet, dass diese biblischen Gedanken Bilder von ganz eigener Art und Schönheit in uns entstehen lassen und zu unserem Heil dienen. “Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Reben.“ Bildergebot heißt ja nicht Abschaffung von Bildern. Niemand wird bestreiten, dass die Bibel ein großartiges Bilderbuch ist. Es geht darum, dass sich die Heilsbilder in uns Menschen entfalten können. Dazu dient ein Gottesdienst, der aus der Bibel schöpft und aus dem Hören kommt. Der evangelische Gottesdienst und somit sein Kirchengebäude sind dazu da, den Ohren der Menschen zu dienen.“ Wer meine Worte hört und tut…“, sagt Jesus. Unbestreitbar möchten nicht nur die inneren, sondern auch die äußeren Augen zu ihrem Recht kommen. Diese werden aber mehr von den anderen Konfessionen bedient. Das ist zuzugeben. Ob das gesprochene Wort, ob eine Kirche des Wortes eine Zukunft haben wird, wird davon abhängen, ob unsere Kirche und Gesellschaft, ob wir eine Kultur des Wortes: Lesen, Vorlesen, Hören, Zuhören, schätzen und zu pflegen wissen.